Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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Filmtipp
Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne

Madame Marguerite oder die Kunst der schiefen Töne“  ist eine anrührende Gesellschaftssatire; sie handelt von einer zerrissenen Frau, die in ihrer Sehnsucht nach Anerkennung und Liebe nur eben vehementer als manch andere versucht, sich in trügerische Illusionen und  Träume zu retten.
 
Marguerite Dumont inszeniert sich alljährlich auf einem pompösen Musikfest leidenschaftlich und mit großer Exzentrik als Operndiva. Sie hält sich für eine begnadete Sängerin  – das große Publikum hat sie allerdings für ihr Kommen in ihr eigenes Schloss bezahlt, denn die Millionärin trifft keinen einzigen richtigen Ton, ihre Stimme klingt grauenvoll.


 
Die Zuhörer jedoch überlassen die Grande Dame ihrem Glauben, umjubeln sie. Niemand deckt den Widerspruch auf zwischen ihrem sängerischen Unvermögen und ihrer musikalischen Leidenschaft  - die einen wegen ihres Geldes, aus purem Opportunismus - andere, weil sie sich bei diesen Konzerten auf Madame Dumonts Kosten amüsieren. So wie der junge zynische Journalist Lucien und sein Freund Kyrill, die den Plan schmieden, Marguerite auch vor großem und tatsächlich öffentlichem Publikum vorzuführen. Bislang ist sie nur vor geladenen – ergo gekauften -  Gästen aufgetreten. Doch nach der hochlobpreisende Konzertkritik, die Lucien verfasst hat, und deren ironische Doppelbödigkeit Madame Marguerite in ihrem unbedingten Willen, ein Ausnahmetalten zu sein, nicht erkennt, beschließt sie, ein Konzert in der Pariser Oper zu geben. Für dieses Vorhaben engagiert sie einen alten Opernstar als Privatlehrer, der prompt eine liederliche Entourage mitbringt. In diesem Konzert zerbricht der Selbstbetrug…
 
Inspiriert ist der Film von Florence Foster Jenkins (1868 – 1944): Die reiche US-Amerikanerin mit grauenhafter Stimme mietete sich in fataler Selbstüberschätzung die New Yorker Carnegie Hall. Nach vernichtenden Kritiken erlitt der selbsternannte Opernstar einen Herzinfarkt.  Der Regisseur Xavier Gioannoli verlegt die Geschichte mit glamourösem Lokalkolorit in die Anfänge der goldenen Zwanziger nach Paris. 
 
Im Castingshow-Zeitalter ist diese Geschichte von beharrlicher Selbsttäuschung, Talentlosigkeit und Heuchelei zur Belustigung eines johlenden Publikums vielleicht aktueller denn je. So ist der Film zwar in vielen Momenten komisch, aber dennoch keinesfalls nur eine simple Komödie, Madame Marguerite ist kein pure clowneske Witzfigur – sie ist vielmehr eine traurige, eine tragische Antiheldin. 
   
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