Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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21.06.2011
Ein Jahr "Abenteuer USA" sind für Lena Hartl nun vor kurzem zu Ende gegangen. In einer E-Mail kurz vor ihrer Abreise aus den USA hat Lena Hartl nun für die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters eine kleine Bilanz gezogen:

"Liebe Frau Prof. Grütters, liebes Bundestagsbüro,

bei mir heißt es nun langsam Abschied nehmen. Ich habe noch zehn Tage hier in Houston und Washington DC, bevor es für mich heißt "Good-bye America, Willkommen in Deutschland".
Mein Schuljahr ist nun seit zwei Wochen zu ende und ich bin mir sicher, ich werde das fettige Cafeteria-Essen und die vollgestopften Gänge mit 3000 Schülern nur teilweise vermissen. Auf der anderen Seite habe ich sehr viele neue Persönlichkeiten von den verschiedensten Nationen kennengelernt. Amerika, in dem Land wo alles möglich zu sein scheint, hat mir neue Freunde gegeben.

Mein Fußballteam hat dabei einen großen Teil eingenommen. Ich hatte wie eine kleine Familie auch in der Schule. Dies gab mir eine Möglichkeit vielen Menschen ein bisschen näher zu kommen und gute Freunde zu finden.

Im zweiten Halbjahr fing ich an im Chor zu singen. Dies war neben Fußball und dem sonst normalen Schulunterricht eine sehr schöne Abwechslung. Mit Wettbewerben, bei welchen wir mit viel Erfolg teilnahmen, bekam ich auch im Chor viele neue Erfahrungen und Freunde, die ich nie vergessen werde.

Mein Kunstunterricht fing mit dem Arbeiten von Ton an. Von den verschiedensten Tonskulpturen gingen wir über zu Selbstportraits und Papierskulpturen, von denen eins meiner Werke in einer öffentlichen Galerie ausgestellt wurde.

Der US-History-Unterricht fing mit dem 18. Jahrhundert an. Wir arbeiteten uns vor bis zu dem neusten Ereignis der amerikanischen Geschichte: der Anschlag des World Trade Centers in 2001. Es fühlte sich an, als würde ich in einer Zeitmaschine sitzen, in der ich zurückreise und mir so langsam klar wird, was eigentlich vor sich ging und geht. Ich hatte von vielen Dingen schon einmal gehört, konnte aber keine Zusammenhänge schließen. Vieles, die Feiertage, Ferien, Traditionen und Bräuche, machte auf einmal einen Sinn und ich verstand weshalb die Handlungen und Reaktionen über bestimmte Themen so sind, wie sie sind.  Aber nicht nur, dass mir vieles wir Schuppen von den Augen fiel. Es war sehr interessant die einzelnen Ereignisse aus der amerikanischen Sicht zu sehen.

Doch die Schule nahm nur die Hälfte meines Tages und Austauschjahres in Anspruch. Nach einem Wechsel meiner Gastfamilie habe ich fünf Menschen kennen und lieben gelernt. Ich wurde wir ein richtiges Familienmitglied behandelt. Die Tatsache, dass eine meiner Gastschwestern ihr Zimmer für mich abgegeben hat, hat mir bewiesen, dass ich wirklich willkommen war in dieser Familie.
Nicht nur, dass wir uns die umliegenden Sehenswürdigkeiten angeguckt haben und sie mir vieles gezeigt haben, nein. Es war, als hätte ich eine richtige zweite Familie. Wenn ich zurückblicke, kommt es mir vor, als wäre ich schon viel länger hier, als die zehn Monate, weshalb es um so schwerer wird, Abschied zu nehmen.


Lena Hartl (2. Reihe, Erste von links) mit ihrer Gastfamilie.

Mit dem Versprechen, dass mich meine Gastfamilie unbedingt nach Deutschland kommen möchte um meine Familie kennen zu lernen und zu sehen, wie wir in Deutschland so leben, ist es also nicht wirklich ein „good-bye“, sondern eher ein „see you later“.

Seit Anfang Juni habe ich Sommerferien. Nach einer großen Abschieds-Feier machte ich mich auf den Weg nach Denver. Dort traf ich meinen Großvater und meine Tante, mit denen ich für zwei Wochen Richtung Westen Amerikas fuhr. Somit sah ich nicht nur Texas, sondern reiste von dem Staat Colorado nach Utah, Nevada, Kalifornien, Arizona und New Mexiko. Neben den einzigartigen Canyons, der unbeschreiblichen Natur und einer Weite, bei der man das Gefühl hatte über den Horizont hinweg zu gucken, ging es zu dem Großstadtleben, was man sich unter Amerika vorstellt. Die Straßen voll mit Fahrzeugen jeder erdenklichen Größe, die Armut und der Reichtum so nah nebeneinander, dass sie sich auf der Türschwelle auf die Füße treten und die verschiedensten Nationalitäten sind in Amerika keine Ausnahmen.

Mein Jahr hier in Amerika hat so viele Erinnerungen, die ich noch nicht einmal in dem Tagebuch, was ich täglich geschrieben habe, aufgreifen kann. Das eine Jahr ist vergangen wie im Flug. Ich kann nicht sagen, dass ich so viele Sachen vermisst habe, denn dies wäre gelogen. Ich habe meine Familie, meinen Freund und meine Freunde sehr vermisst.

Doch ich wusste, dass wenn ich wieder nach Hause komme, ich Menschen habe, die mich lieben und fast ein ganzes Jahr auf mich gewartet haben. Dieses Gefühl gab mir unglaubliche Kraft und ließ meine Tränen in einer schlaflosen Nacht schnell im Taschentuch verschwinden.

Es ist also zu ende gegangen, ein Jahr mit Erinnerung, die unbezahlbar sind. Für jene, die Zweifel daran haben, diese Möglichkeit zu nutzen, kann ich nur empfehlen, sich diese Chance nicht entgehen zu lassen. Es ist ein einmaliges Erlebnis.

Ich bin mir sicher, ich werde noch einen Enkelkindern von meiner Reise auf dem anderen Kontinent erzählen und ihnen die Fotos in meinem Fotoalbum zeigen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich weiterhin dazu beitragen könnte Schülern zu zeigen, was für eine Möglichkeit und Chance es wäre, ein Jahr in Amerika zu verbringen. Vielleicht ist es uns in Zusammenarbeit möglich, Schüler davon zu überzeugen, einmalige Geschichten mit unzählbaren Erinnerungen nach Hause zu tragen.

Ich möchte so vielen Menschen danken, die es mir ermöglicht haben, diese Berichte und Erinnerungen zu teilen. Ein ganz großes Dankeschön geht dabei an Sie, Frau Grütters, die mich als eine Stellvertreterin auswählte für Berlin, Marzahn-Hellersdorf nach Amerika zu fahren, um die Verbindung Deutschlands zu den Vereinigten Staaten aufrecht zu erhalten und ein Jahr in Amerika zu verbringen. Ohne das Stipendium des Bundestages wäre es mir nicht möglich gewesen ein unvergessliches Jahr zu erleben. Ich danke Ihnen und allen, die dazu beigetragen haben, vom ganzen Herzen.

Lena Hartl"

   
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