Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
Übersicht | Drucken
08.05.2014
Ein Jahr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Als Stipendiatin des Parlamentarischen Patenschaftsprogramms des Deutschen Bundestages hatte Anika Jans die Möglichkeit, ein Jahr in den USA zu verbringen. Ihre Eindrücke schildert sie in einem kurzen Bericht, den sie ihrer "Patin" Monika Grütters zur Verfügung gestellt hat:

"US-Amerikaner sind dick. Sie shoppen rund um die Uhr und wohnen in den größten Städten der Welt. Die meisten sind aufgrund des schlechten Bildungssystems dumm und nicht fähig, einen Landesnamen seiner geografischen Lage zuzuordnen. Das amerikanische Gesundheitssystem ist miserabel, und auf den Straßen laufen alle mit einer Waffe im Gürtel herum und schießen nach Wunsch und Laune aufeinander.

Genauso wenig, wie alle Deutsche bierbäuchige und Bier trinkende Männer oder Dirndl tragende Frauen sind, trifft das oben beschriebene Bild eines US-Amerikaners tatsächlich auf ihn zu.

Von den Medien stark beeinflusst bilden wir uns eine Meinung über ein Land, welches wir selbst noch nie besucht haben. Das war einer der Gründe für mich, ein Jahr im Ausland zu leben. Ich wollte mir beweisen, dass es mehr gibt und wollte verstehen, was die USA wirklich ausmacht.

Deshalb stieg ich ins Flugzeug und flog ins 7283km entfernte Louisville, eine Stadt in Kentucky mitten im „bible belt“.

Meine High School war eine ganz gewöhnliche öffentliche Schule. Eine für die USA typische Menge von etwa 2500 Schülern besuchte die High School mit mir. Das Schulleben hatte mit den bei uns im Fernsehen gezeigten Serien wenig zu tun. Weder gab es stark voneinander getrennte Grüppchen noch die im Fernsehen so oft erwähnten „it-Schüler“.


Die Eastern High School, die Anika Jans in Kentucky besuchte.

Ganz im Gegensatz zu Deutschland ist die Schule in den Staaten nicht nur ein Bildungsinstitut, sondern auch der Dreh- und Angelpunkt im Alltagsleben eines Jugendlichen. Nach den hauptsächlich selbst gewählten Fächern (bei mir waren es Theater, Recht, Kriminalbiologie, Englisch, Amerikanische Geschichte, Kunstgeschichte und Mathematik) gehen die Schüler ihren Freizeitaktivitäten in den verschiedenen Schulclubs nach. Von Football über Theater, Malerei, Cheerleading, Band (die Marching Band trägt zur musikalischen Unterhaltung bei Sportevents bei) bis hin zu Öffentlichkeitsarbeit ist alles vertreten.

Woran man sich in Kentucky recht schnell gewöhnt, ist die Herzlichkeit und Freundlichkeit der Mitmenschen und die Tatsache, dass man mit „honey“, „sweet heart“ oder „hun“ angesprochen wird. Auch gewöhnt man sich recht schnell eine gewisse Oberflächlichkeit an. Statt Mitschüler freundlich zu grüßen, beachtet man viel lieber ihre Schuhe und hetzt mit einem schnellen „ Oh I just love your boots, they are so cute“ an ihnen vorbei in den nächsten Klassenraum.

Nach dem Unterricht bzw. dem jeweiligen Club geht es dann mit dem Schulbus nach Hause.
Als Mittagssnack erwarten viele wahrscheinlich einen Imbiss beim Fastfood Restaurant. Das mag bei vielen wohl auch der Fall gewesen sein, bei uns hingegen gab es oft traditionelles Südstaatenessen: Kartoffelbrei mit geräuchertem Fleisch, Gravy und Maisbrötchen. Insgesamt sieht der restliche Alltag dem unseren ziemlich ähnlich.

Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen den deutschen und amerikanischen Schülern ist die Freude auf die Ferien. Während die meisten meiner Mitschüler nach Florida fuhren, entschied ich mich, eine kleine Rundreise zu machen. Ich besuchte New York, Boston, Cleveland, Washington D.C. und die Niagarafälle.

Ich stellte fest, dass all diese Orte sich von Louisville unglaublich unterscheiden. Jede Stadt, jedes Viertel hatte etwas Neues und Aufregendes zu bieten. Ich besuchte Broadwayshows, die U.S.S. Constituion (ein Kriegsschiff in Boston), Harvard, das Hardrockcafé an den Niagarafällen und das Rock ’n Roll Museum in Cleveland. Manches gefiel mir besser und manches weniger gut.
Ich erlebte die Amerikaner als sehr freundlich und aufgeschlossen. Viele Ihrer Sitten und Bräuche wie Thanksgiving habe ich lieben, anderes, wie den Mangel an einem funktionierenden Nahverkehrsystem, nie verstehen gelernt.

Ein so großes Land hat so viele verschiedene Facetten, die man einfach nicht zusammenfassen kann. Genau so wenig kann ich mein Austauschjahr und meine Erfahrungen in nur wenigen Worten wiedergeben. Ich kann euch kein vollständiges Bild der USA liefern.

Jedem, der wissen möchte, wie ein Land wirklich ist, dem würde ich raten, es selbst zu besuchen. Vielmehr noch: Dort ein Leben zu leben. Unter Austauschschülern ist das Zitat „ exchange isn’t a year in your life, it’s a whole life in just one year!” sehr beliebt, und dem kann ich mich nur anschließen." 

   
News-Ticker



Newsletter abonnieren
Bleiben Sie stets auf dem Laufenden!
Ihre E-Mail Adresse:

 
0.30 sec. | 47474 Views