Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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06.11.2007

Kulturgespräch mit der Buchpreisträgerin Julia Franck

 Am 6. November 2007 lud Monika Grütters zum Kulturgespräch mit der diesjährigen Buchpreisträgerin Julia Franck ein. Die in Berlin geborene Autorin las aus ihrem ausgezeichneten Roman „Die Mittagsfrau“. Viele Berlinerinnen und Berliner folgten der Einladung. Die Lesung war ausverkauft.


Monika Grütters begrüßt die Buchpreisträgerin Julia Franck (r.)

Monika Grütters gratulierte Julia Franck zum Deutschen Buchpreis (dbp 07), den die Autorin als wunderbares Geschenk empfindet. Auf die Frage, ob sie nach den zahlreichen Medienauftritten auf der Straße angesprochen würde, verwies Julia Franck auf die Vorzüge ihrer heutigen Wohngegend: Im weniger großstädtischen Berlin-Friedenau kenne ohnehin fast jeder jeden, so dass sie davon weitgehend verschont bleibe. Unmittelbar nach der Preisverleihung sei aber ihre Zwillingsschwester, die ebenfalls in Berlin lebt, auf diese „ihre“ Auszeichnung hin immer wieder angesprochen worden.

Julia Franck fühlt sich mit ihrer Familiengeschichte in beiden ehemaligen Teilen der Stadt verankert. Viele Entwicklungen der jüngeren deutschen Geschichte spiegeln sich darin wieder. So zog beispielsweise die großbürgerlich aufgewachsene Großmutter mütterlicherseits in den 50er Jahren als überzeugte Kommunistin bewusst in den Ostteil Berlins.

Ihr Roman „Die Mittagsfrau“ hat auch Vieles mit ihrer eigenen Familiengeschichte zu tun: Auf der Flucht Richtung Westen lässt eine junge Frau ihren 8jährigen Sohn auf dem Bahnhof zurück. In der Auseinandersetzung mit diesem Stoff spürt Julia Franck der Geschichte ihres eigenen Vaters nach. Aus Erzählungen zahlreichen Zeitzeugen und umfangreichen Recherchen zeichnet sie das Bild einer Zeit und den Empfindungen ihrer Menschen nach. Auf der Suche nach den Beweggründen für diesen Schritt der Protagonistin – ihrer Großmutter – die sie nie kennenlernte, entwickelt sie daraus eine Geschichte, die es vermeidet, ein eindeutiges, moralisches Urteil zu fällen. Feinfühlig erzählt der Roman die unterschiedlichen Perspektiven, die Sicht des Jungen und die Sicht der Mutter auf der Suche nach Erklärungen für ihr Verhalten.

Monika Grütters dankte der Autorin für den anregenden Abend und legte allen die Lektüre des Romans ans Herz: „Von der literarischen Beschäftigung einer Autoren-Generation, die nicht durch persönliches Erleben der Kriegs- und Nachkriegszeit beeinflusst ist, können wir sicherlich noch Einiges erwarten in der Auseinandersetzung mit den persönlichen Erlebnissen des Kriegsendes und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Auf politischer Ebene ist gerade die Entscheidung für ein ‚Sichtbares Zeichen’ für die Opfer von Vertreibung hier in Berlin gefallen. Der öffentliche Diskurs über diese Zeit mit den leidvollen Erfahrungen der Menschen auf allen Seiten scheint erst allmählich auch im vereinten Europa möglich. Hoffen wir, dass uns weitere Literaten die wissenschaftlichen Erkenntnisse über diese Zeit in der Schilderung  persönlicher Schicksale und Empfindungen anschaulich werden lassen.“
   
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