Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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12.08.2011
Monika Grütters zu Gast beim 8. Bayreuther Kulturgespräch

Kunst hat die Kraft, Gesellschaft und Religion wieder näher zusammenzubringen. Warum sich die Kirche dennoch so schwer tut, Kunst und Künstler der Gegenwart zu akzeptieren, dieser Frage ist die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien im Deutschen Bundestag, Monika Grütters, beim 8. Bayreuther Kulturgespräch auf Einladung des Parlamentarischen Finanzstaatssekretärs Hartmut Koschyk, MdB nachgegangen.


von links: Pfarrer Friedrich Jehnes, Gudrun Brendel-Fischer MdL, Prof. Dr. Monika Grütters und Hartmut Koschyk, MdB und Finanzstaatssekretär. © Hartmut Koschyk, MdB

Die Bayreuther Ordenskirche als Veranstaltungsort des Kulturgesprächs war dabei mit Bedacht ausgewählt worden. Zum einen feiert die Kirche in diesem Jahr den 300. Jahrestag ihres Bestehens, zum anderen zählt sie laut Pfarrer Friedrich Jehnes zu den bedeutendsten Kirchenbauten des protestantischen Hochbarocks im deutschen Kulturraum. Allein das Deckengewölbe enthalte 38 bildliche Darstellungen von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament, Kunst, die als Auftragsarbeit geschaffen wurde und in erster Linie dem Evangelium dienen soll. Anders als damals soll Kunst heute herausfordern, sagte Pfarrer Jehnes. Kunst will und muss provozieren und es sei gut und heilsam, wenn sich der Betrachter heute provozieren lasse.

„Die Kirche ist nach wie vor ein Teil der Kunst, aber die Kunst sei nicht unbedingt mehr ein Teil der Kirchenwirklichkeit“, so die Bestandsaufnahme von Monika Grütters. Kunst, die heute aus dem Dienst an der Religion entsteht, habe sich von Glaubensinhalten christlicher Überlieferung oft entfernt oder zumindest emanzipiert. Eine Verantwortung dafür tragen nach Auffassung der Abgeordneten die Kirchen. „Es sind eher die Kirchen, denen es schwerfällt, neue Kunst und Künstler der Gegenwart zu akzeptieren“, sagte sie. Dabei sei die Kunst als wohl einziges Ausdrucksmittel bestens dazu geeignet, das Phänomen des Unaussprechlichen nicht zuletzt in Form der Abstraktion zu vermitteln.


Den anschließenden Empfang nutzten Monika Grütters und Finanzstaatssekretär Hartmut Koschyk um sich mit Frater Lukas Prosch aus dem Kloster Speinshart und dem Ehrenvorsitzenden des Vereins für Christliche Kunst, Pfarrer Prof. Dr. Peter Poscharsky, über die Thematik “Kunst und Glaube” intensiver auszutauschen.© Hartmut Koschyk, MdB

„In der Wahrnehmung von Kunstwerken treffen wir oft auf das Unerwartete, das Unvorhersehbare“, so Monika Grütters. Kunst könne keine verbindlichen Antworten geben auf die gegenwärtigen Fragen, die auch immer wieder durch Bilder und Motive in den Medien hervorgerufen würden. Die Kraft der Kunst liege vielmehr in der Ästhetik der Unsicherheit, des Fragens und der bewussten Irritation. Doch ganz gleich, ob Kunst fasziniert, verstört oder verzaubert, sie bleibe immer endlich und von dieser Welt. Der Glaube ruhe dagegen im Nicht-Sichtbaren, im Unendlichen und damit in einer Wirklichkeit, die über diese Welt hinausgeht.

Monika Grütters erinnerte in ihrem Vortrag auch daran, dass die Kultur des Abendlandes ohne die künstlerische Inspirationskraft der christlichen Theologie ärmer „an Geist und Sinnlichkeit“ wäre. Kirche schaffe kulturelle Identität weit über den Kreis ihrer Mitgliedschaft hinaus. „Die Kirche schafft das seit 2000 Jahren mit einer Prägekraft, wie sie keine zweite Institution je entwickelt hat“, so Monika Grütters
   
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