Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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14.01.2013
Monika Grütters hält Absolventenrede am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität

Am Montag, 14. Januar 2013, war Monika Grütters zu Gast im renommierten Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin. Vor mehr als 120 Gästen hielt die Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Medien die Absolventenrede, die im Folgenden dokumentiert wird:

Anrede,

“We all take such pains to over-educate ourselves. In the wild struggle for existence, we want to have something that endures, and so we fill our minds with rubbish and facts, in the silly hope of keeping our place.”

So beschwert sich der Dandy Lord Henry in Oscar Wildes „Dorian Gray“ darüber, dass Genie die Schönheit der Jugend überdauere, aber eben doch nur sehr selten erreicht werde.

Sie haben ihre Hirne in den letzten Jahren hoffentlich nicht nur mit Müll und Fakten gefüllt.


Monika Grütters hält die Absolventenrede im Otto-Suhr-Insitut © Antonia Stahl; OSI-Club.

Denn: „Politikwissenschaftler wird man, Juristen hält man sich nur“

 So pflegte  Prof. Gerhard Göhler – Frau Prof. Börzel und Herr Dr. Peters sehen es mir nach -  eine der grauen Eminenzen des OSI, seine Studienanfänger in diesem Räumen zu begrüßen und Ihnen zu dem Entschluss zu gratulieren, sich nicht etwa für Jura, sondern für die politische Wissenschaft entschieden zu haben.

Sein Zitat bringt das Selbstverständnis des Politikwissenschaftlers anschaulich zum Ausdruck: Sie sollten nun keine über-ausgebildeten Spezialisten sein, sondern  prinzipiell zu allen Fragen des Gemeinwesens auskunftsfähige, gebildete Generalisten.

Als solche sind sie für den wild struggle for existence außerhalb der relativen Geborgenheit der Universität sehr gut vorbereitet.

Ich bin ja selbst sozusagen eine von Ihnen: Ich habe Germanistik, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft in Münster und Bonn studiert, also keine vermeintlichen „Karrierefächer“ wie  BWL, Jura oder Medizin. Das hat mir nie geschadet. Ganz im Gegenteil: mein vor allem geistes-. aber auch politikwissenschaftliches Studium hat mich als Menschen geformt – und schlecht gelandet bin ich im Berufsleben ja auch nicht.

Aber kommen wir doch lieber zu den Themen des Bildungsstreiks:

Es geht um eine der zentralen Diskussionen der deutschen Wissenschafts- und Hochschulpolitik der letzten Jahre: Der „große Graben“ verläuft zwischen den selbst ernannten Bewahrern des „Humboldtschen Bildungsideals“, das auch das „Studium generale“ beinhaltet, und denjenigen, die die „Employability“, also den Nutzen des Gelernten für die spätere Arbeit, als zentralen Maßstab für den Studienerfolg sehen. In den vergangenen gut 13 Jahren ist diese Diskussion gerne auch unter der Chiffre „Bologna-Reform“ geführt worden.

Meine Erfahrung aus 20 Jahren als Hochschulpolitikerin in Land und Bund sowie als langjährige Honorarprofessorin an der Freien Universität ist aber, dass sich jeder Studierende beide Fragen gleichzeitig stellt

„Interessiert mich mein Studium, bildet es mich?“

und

„Befähigt mich mein Studium später, einen Job zu bekommen, der mich ausfüllt und ernährt?“

Humboldtsche Persönlichkeitsbildung und (sozial)marktwirtschaftliche Berufsbefähigung müssen keine Gegensätze sein, sie sind vielmehr zwei Seiten einer hochschulpolitischen Medaille.

Viele von Ihnen sind ja Bachelorabsolventen. Über diese noch recht neue Spezies wird am heftigsten diskutiert. Verkürzt hieß die Kritik: „Flaches Studium, keine Chance auf dem Arbeitsmarkt“.

Hier am OSI haben Sie ja ausführlich die Bedeutung empirischer Forschung kennengelernt. F

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