Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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09.07.2014
Letzte Chance für Ai Wei Wei - Ausstellung

Nur noch bis zum 13. Juli 2014 kann man Ai Wei Weis beeindruckende Ausstellung „Evidence“ im Martin-Gropius-Bau bewundern. Darauf macht Monika Grütters aufmerksam.

Der 1957 in Peking geborene Ai Wei Wei hat seine ersten 20 Lebensjahre in der Verbannung erlebt, die seinen Vater traf, der zuvor ein Funktionär im kommunistischen China war. Nach seiner Rückkehr nach Peking mit Anfang 20 und einem längeren Aufenthalt in New York hat sich Ai Wei Wei der Kunst verschrieben.

In Berlin wird nun seine weltweit größte Einzelausstellung gezeigt, die Werke aus allen Perioden seines Schaffens zusammenträgt und beweist, wie intelligent und politisch aufgeladen Ai Wei Weis Kunst ist. Mit seinen Kunstwerken ergreift er Partei und kritisiert die kommunistische Führung Chinas für ihre totalitären Verfehlungen und ihre Versuche, diese beständig unter den Tisch zu kehren. Ais Kunstwerke berichten von Hinrichtungen, konstruierten Prozessen oder Kindern, die beim Einsturz unsicherer Schulen getötet wurden. Dabei bleibt er jedoch nie Beweise schuldig: transparent belegt er seine Vorwürfe mit Dokumenten, Bildern oder Videos für jeden Besucher der Ausstellung und schafft so ein tieferes Verständnis seiner Ausstellungsstücke, die ohne diese Hintergrundinformationen nicht so ohne weiteres zugänglich wären.

Ai Wei Wei selbst hatte noch keine Möglichkeit, seine Ausstellung zu sehen, da die chinesische Regierung ihm, dem weltweit beachteten und einflussreichen Regimekritiker den Pass entzogen hat. Deshalb konnte er  die Ausstellung im Martin-Gropius-Bau auch nur mithilfe von Grundrissen und Videoaufzeichnungen der Gegebenheiten in seiner Fantasie entwickeln - ein Umstand, der diese Ausstellung umso beeindruckender macht.


Monika Grütters (Mitte) und Gereon Sievernich (Direktor des Martin-Gropius-Baus) in der Ai Wei Wei-Ausstellung am 27. Juni 2014.

Das eindrucksvollste Ausstellungstück ist aber wohl ein Nachbau der Zelle, in der Ai Wie Wei 81 Tage festgehalten wurde, nachdem er von der chinesischen Polizei verhaftet worden war. Ai Wei Wei vermittelt die bedrückende Atmosphäre, die dieser ca. 12m² große Raum  ausstrahlt, der vollständig mit Styropor ausgekleidet war, um Suizidversuchen vorzubeugen. Rund um die Uhr beobachtet von zwei Polizisten, hat Ai hier fast drei Monate lang Verhöre über sich ergehen lassen müssen, bis er endlich entlassen wurde – wie bei seiner Verhaftung so auch hier ohne Angabe von Gründen oder sonstigen Erklärungen.

„Der Besuch der ‚Evidence‘-Ausstellung ist ein Muss für jeden, der sich für politische Konzeptkunst und die Entwicklung der chinesischen Gesellschaft interessiert. Ai Wei Wei führt uns allen mit großer Offenheit anschaulich vor Augen, wie brutal China bisweilen mit seinen Kritikern umgeht. Das ist eine hilfreiche und wichtige Lehre für alle die, die vor diesen Problemen gerne die Augen verschließen und nur von den wirtschaftlichen Potenzialen des chinesischen Marktes schwärmen. Ai Wei Weis Arbeiten leben von ihrer zuweilen verführerischen Ästhetik umso schwerer wiegt der ihnen innewohnende Appell an totalitäre Regime ganz nach der Erkenntnis, die Friedrich Schiller formulierte: ‚Die Kunst ist eine Tochter der Freiheit‘ “, so Monika Grütters.

   
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