Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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10.05.2016
Buchvorstellung und Lesung mit Shalom Eilati und Christian Berkel

Am 10. Mai veranstaltete die Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas anlässlich der Publikation des Zeitzeugenberichts »Ans andere Ufer der Memel. Flucht aus dem Kownoer Ghetto« eine Lesung mit dem Autor Shalom Eilati und dem Schauspieler Christian Berkel in der Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen.
 
In ihrem Grußwort zum Auftakt der Lesung dankte Monika Grütters dem Holocaust-Überlebenden Shalom Eilati, dass er die Kraft gefunden habe, seine Erinnerungen mit uns zu teilen. Sie betonte, dass Zeitzeugen für unsere Erinnerungskultur und die Bildungs- und Vermittlungsarbeit der Gedenkstätten zum NS-Unrecht beinahe unentbehrlich sind:
 
„Es sind die Stimmen der Zeitzeugen, die die Folgen des nationalsozialistischen Rassenwahns und die grauenhaften Auswüchse eines totalitären Staates eindringlicher als jedes Geschichtsbuch und jedes Museum vermitteln. Es sind die Stimmen der Zeitzeugen, die der monströsen Abstraktheit der Opferzahlen Namen, Gesichter und Lebensgeschichten gegenüber stellen. Es sind die Stimmen der Zeitzeugen, die gerade jungen Leuten helfen, eine Antwort auf die Frage zu finden: Was geht mich das heute an? Und doch müssen wir einen Weg finden, uns dem Unfassbaren künftig ohne ihre Begleitung zu nähern.“
 
 
Monika Grütters mit Shalom Eilati (rechts) und Christian Berkel (links)


Shalom Eilati (*1933) stammt aus Kowno, der damaligen Hauptstadt Litauens. Im Juli 1941 muss die Familie in das von der deutschen Besatzungsmacht eingerichtete Ghetto ziehen. Nachdem der Vater 1942 in das Rigaer Ghetto verschleppt wird, sind Shalom, seine kleine Schwester Jehudit und seine Mutter auf sich gestellt. Nach der ›Kinder-Aktion‹ im März 1944, der die beiden Geschwister nur knapp entgehen, organisiert die Mutter die Flucht ihrer Kinder aus dem Ghetto. Shalom kommt bis zu seiner Befreiung durch die Rote Armee bei Litauern unter. Seine Mutter und seine Schwester sieht er nie wieder, seinen Vater trifft er im März 1946 in Bayern wieder. Einen Monat später wandert er nach Palästina aus, wo er bis heute lebt.
 
Es sei eine große Überwindung für ihn gewesen, dieses Buch zu schreiben, so Shalom Eilati. „Es tat weh, alte Verbände herunterzunehmen, die längst mit dem Fleisch verwachsen waren. Doch als das Buch schließlich fertig war, konnte mein Körper endlich wieder atmen.“ Monika Grütters dankte ihm,  dass er den Schmerz nicht gescheut habe und heute wieder atmen könne, selbst in Berlin, das er vor 70 Jahren in Schutt und Asche liegend kennen gelernt habe – „als zwölfjähriger Junge, mutterseelenallein mit all dem Leid, das Ihnen und Ihren Lieben in deutschem Namen zugefügt wurde.“
 
Die gesamte Rede können Sie hier nachlesen.
 
   
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