Prof. Monika Grütters MdB, Staatsministerin für Kultur und Medien, Landesvorsitzende der CDU Berlin |
 




   
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16.02.2009

„Aufbruch und Ärgernis“ - Monika Grütters beim Expertengespräch zur Lage der Berliner Opernhäuser

Am 16. Februar 2009 diskutierte Monika Grütters mit Pariser, Wiener und Berliner Opernintendanten sowie weiteren Fachleuten des Metiers über die Zukunft der drei Berliner Opernhäuser. Eingeladen hatte die Stiftung Zukunft Berlin dazu in das „Radialsystem“. Die Zeitschrift Opernwelt veröffentlicht als Mitveranstalter in ihrer neuen Ausgabe die Standpunkte der Podiumsteilnehmer. Die Position von Monika Grütters:

"Die Personalkosten sind ein existenzielles Problem für die Häuser, weil sie mit jeder Tarifrunde wachsen. Wenn der Berliner Senat sagt, er möchte drei Häuser erhalten, dann muss er sie auch auskömmlich finanzieren. Dazu gehört die Zahlung der Tarifaufwüchse. Man kann nicht drei Häuser wollen, aber nur einen Etat für zwei bereitstellen.


v.l.n.r.: Gérard Mortier, Intendant der Pariser Oper, Monika Grütters, MdB, Albrecht Thiemann, Opernwelt, Kirsten Harms, Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Stefan Rosinski, Generaldirektor der Berliner Opernstiftung und Klaus Zehelein, Präsident der Bayrischen Theaterakademie. Foto: Sebastian Bolesch


Durch eine Fusion oder gar die Schließung eines Hauses wäre nichts gewonnen. In Berlin ist schon einmal ein Theater geschlossen worden: das Schillertheater. Das möchte ich nicht noch einmal erleben! Was hat dieses Drama gebracht? Ein Stück Kultur ist unwiderruflich verloren. Wer glaubt, dass durch solche Schritte irgendein finanzieller Freiraum für die Kultur geschaffen worden wäre, liegt falsch. Das eingesparte Geld bleibt mit Sicherheit nicht im Kulturhaushalt. Das würde auch im Fall einer Opernfusion gelten. Die Etats würden einfach abgesenkt, wir wären keinen Schritt weiter und könnten in ein paar Jahren die gleiche Diskussion führen. Die Konsequenz: Es muss mehr Geld in den Betrieb. So wie er jetzt ausgestattet ist, liegen wir wieder auf dem Niveau von 2003.


Foto: Sebastian Bolesch

Ich kann nicht verstehen, warum Herr Wowereit glaubt, hier könne man mit durchschnittlich 38 Millionen pro Haus auskommen, während in anderen Städten wie München, Hamburg oder Dresden im Schnitt 52 Millionen bereitgestellt werden. Das kann nicht funktionieren.

Und man muss dabei sehen: die Erhöhung des Zuschusses um 20 Millionen Euro ist nur auf Druck des Bundes möglich geworden ist, der seine Zahlung von 200 Millionen für die Sanierung der Staatsoper an die Bedingung gekoppelt hat, dass das Land Berlin den Opernetat aufstockt.


Gérard Mortier und Monika Grütters im Gespräch.Foto: Sebastian Bolesch

Wir haben in Berlin viele Beispiele für gut funktionierende Stiftungen: die Philharmonie, das Jüdische Museum, das Technikmuseum und andere. Eine Stiftung kann eine gute Betriebsform sein, wenn sie von kleinlicher behördlicher Steuerung wegkommt und einen Stiftungsrat hat, der mit Leidenschaft und Sachverstand dabei ist.  Kultur- und Finanzsenator gehören in dieses Gremium einer Opernstiftung gar nicht rein. Vielleicht einer von beiden, aber doch nicht beide! Außerdem fehlt es an Leuten im Stiftungsrat, die den Problemen gewachsen sind und kritisch gegensteuern können. Wenn aber einfach die Generaldirektoren der Stiftung vom Hof gejagt werden, nur weil sie sagen, dass die Leitungsstrukturen ungeeignet sind und die Sparziele unrealistisch, dann kann man nicht mehr erwarten, als das was im Moment passiert. Die Stiftungsform könnte sinnvoll sein, wenn man sie ändern und richtig neu aufstellen würde - und sie nicht nur als Alibi nähme für miese Einsparungen. Einsparungen übrigens, die vom Senat diktiert werden, obwohl der Bund immer wieder in erheblicher Höhe nachgeliefert hat."
   
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